ISO 9001:2015 SCC**:2011
Montagearbeiten durch Industriekletterer der IBE Industrieservice GmbH

Einblick in die Industriekletterei und die Tätigkeiten des Industriekletterer

Sicherlich hat sie jeder schon einmal bewusst oder nebenbei wahrgenommen und sich gefragt, was eigentlich hinter diesen Menschen steckt, die an Seilen hängend Bauwerke besteigen und dort verschiedensten Tätigkeiten nachgehen - die Industriekletterer.

Was sind Industriekletterer?

Die Industriekletterer gehören zu einem Berufsbild, bei welchem unterschiedliche Seilzugangstechnologien angewendet werden, um Höhenarbeiten auszuführen. Bekannte Tätigkeitsfelder der Höhenarbeiter sind zum Beispiel Reinigungsaufgaben, Montagetätigkeiten, aber auch Inspektions- und Begutachtungsarbeiten. Offiziell wird die Tätigkeit meist als Seilzugangs- und Positionierungstechnik, kurz SPZ, bezeichnet. Verschiedentlich taucht auch im deutschen Sprachraum die englische Bezeichnung für Höhenarbeiten "Industrial rope Access" auf. Am bekanntesten dürfte jedoch die Bezeichnung Industrieklettern sein, auch wenn diese lediglich einen Teil der beinhalteten Tätigkeiten beschreibt. Der größte Vorteil dieser Höhenarbeiten liegt im geringen materiellen Aufwand und der hohen Flexibilität. Meist kann durch Industrieklettern auf intensiven Großtechnikeinsatz, wie Hubsteiger, Gerüste oder ähnliche Einrichten, komplett verzichtet werden. Die Industrieklettern ermöglicht einen schnelleren und einfacheren Zugang zum Einsatzort, bietet aber oft auch die einzige Möglichkeit des Zugangs, wo andere Optionen auf Grund der räumlichen Gegebenheiten oder schlicht der Dimension der Objekte, ausscheiden. Häufig werden Industriekletterer an Gebäuden oder sonstigen Bauwerken, wie Brücken, oder Türmen wahrgenommen. Mögliche Einsatzorte der Höhenarbeiter erstrecken sich jedoch auch über industrielle und sonstige technische Großanlagen wie Kraftwerke, Raffinerien oder Sendemasten. Höhenarbeiten außen am Objekt gehören ebenso zum Leistungsumfang der Industriekletterer, wie Höhenarbeiten in Objekten, zum Beispiel Großtankanlagen, Wasserreservoirs und viele mehr. Hier stellen seilbasierte Höhenarbeiten oft die einzige Zugangsmöglichkeit dar, da andere Optionen meist nicht im Objekt positioniert werden können. Die verwendeten Techniken und Gerätschaften der Höhenarbeiter erinnern häufig an Equipment des Bergsports, sind jedoch an die verschiedenen Aufgabenbereiche angepasst. Entgegen der Kletterei als Sportart stellt für die Industriekletterer die Bewegung am Seil nicht die Kerntätigkeit dar, sondern bietet lediglich die erforderliche Basis, um die anfallenden Höhenarbeiten sicher ausführen zu können.

Geschichte der Höhenarbeiten

Das gewerbliche Industrieklettern ist eine relativ junge Branche. Auch wenn kein genauer Entstehungszeitpunkt für das Industrieklettern definiert werden kann, so lässt sich der Ursprung der Höhenarbeiten an Hand einiger bekannter Großprojekte auf die 30er Jahre des 20sten Jahrhunderts belegen. Für den Bau der Golden Gate Bridge in San Francisco / USA von 1933 bis 1937 sind neben Sicherungsnetzen unter der Brückenkonstruktion erstmals auch Seilsicherungen für die Höhenarbeiten belegt. Beim Bau des Hoover-Staudamms am Colorado River / USA von 1931 bis 1935 wurden sogar eigens Industriekletterer für vorbereitende Höhenarbeiten an den seitlichen Felsflanken herangezogen. Die Anfänge der Industriekletterer in der heute bekannten Form mit doppelter Seilführung, also Arbeits- und redundantem Sicherungsseil, kann dagegen sehr genau auf die 1970er Jahre festgelegt werden. Diese Art der Höhenarbeiten wurde damals von britischen Ölarbeitern bei der Errichtung der Ölbohrinseln in der Nordsee erstmals in großem Maßstab eingesetzt. Spätestens seit Gründung des Berufsverbands Industrial Rope Access Trade Association, kurz IRATA, gilt das Industrieklettern als eigenständiger Beruf. Auch in Deutschland lassen sich die Anfänge der beruflichen Höhenarbeiten an Bauwerken nachvollziehen. Erstmals wurde Industrieklettern aus der Not heraus an den Plattenbauten der DDR eingesetzt. Da bereits kurz nach der Errichtung der Plattenbauten Sanierungen der Bauteilfugen nötig waren, es aber Arbeitsgerüste in ausreichender Menge und Größe nicht gab, wurden die Höhenarbeiten durch Industriekletterer ausgeführt. Nach der Wiedervereinigung bewegten sich die Höhenarbeiter zunächst in einem rechtlichen Graubereich und sollten nach verschiedenen Verbotsüberlegungen zum Industrieklettern durch Berufsgenossenschaften komplett aus dem Berufsalltag verschwinden. Als Gegenmaßnahme mit dem Ziel, geregelte und geprüfte Arbeitstechniken und -mittel für Höhenarbeiten einzuführen, wurde 1995 der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken e.V., damals FISAT, gegründet. Nach der Aufstellung erster Arbeits-, Sicherheits- und sogar Ausbildungsrichtlinien zum Industrieklettern folgte bereits im Juni 1995 die erste Ausnahmegenehmigung der Berufsgenossenschaften für die Höhenarbeiter, die die Verhüllung des Reichstagsgebäudes mit dem Aktionskünstler Cristo durchführten. Auch wenn mit der BGI 772 "Handbetriebene Arbeitssitze" erst fünf Jahre später eine erste verbindliche Regel zum Industrieklettern in Kraft trat, können die öffentlichkeitswirksamen Höhenarbeiten am Reichstag als Beginn für das eigenständige berufliche Industrieklettern in Deutschland angesehen werden. Die endgültige Gleichstellung der Industriekletterer mit anderen Zugangstechniken wurde dann im September 2009 erreicht. Mit Inkrafttreten der Technischen Regel für Betriebssicherheit, kurz TRBS, 2121 Teil 3 wurde das Industrieklettern auf Gesetzesebene mit anderen Sicherungsmaßnahmen, wie Gerüsten oder Hebebühnen, gleichgestellt. Erst seit diesem Zeitpunkt ist es Auftraggebern freigestellt, sich für aufwändige und teure Großtechnik, oder für flexible, schnelle und kostengünstige Höhenarbeiten am Seil, zu entscheiden.

Höhenarbeiter heute

Auch wenn die Ursprünge der Industriekletterer nicht sehr weit in der Vergangenheit liegen, hat sich das Berufsbild der Höhenarbeiter seit seiner Entstehung stark verändert. Technisch, organisatorisch und rechtlich bestehen heute klare Regelungen zum Industrieklettern, die dem Höhenarbeiter ermöglicht, seine Tätigkeit rechtlich abgesichert und mit definierten Sicherheitsstandards auszuüben.

Berufsbild Industrieklettern

Die Höhenarbeiten sind eine Tätigkeit, die sich zwar in verschiedene Kategorien und Bereiche untergliedern lässt, in der aber dennoch kaum ein Einsatz dem anderen gleicht. Je nach Spezialisierung, Tätigkeit und selbstverständlich auch Einzelprojekt kann das Berufsbild der Höhenarbeiter mehr oder weniger stark abweichen. Grundsätzlich geht mit der zunehmenden Organisation und Regelung der Industriekletterer selbstverständlich eine Kategorisierung der Höhenarbeiten einher. So lassen sich sowohl die am Seil auszuführenden Höhenarbeiten je nach Anforderung und Umfang einordnen, als auch die erforderlichen Seiltechniken beim Industrieklettern selbst. Die Arbeit der Industriekletterer umfasst immer wiederkehrende Höhenarbeiten, die vor allem im Rahmen von Inspektionen und Reinigungs-, sowie Unterhaltungsarbeiten liegen. Auch standardisierte Bauwerke wie Windkraftanlagen erfordern immer wiederkehrende Tätigkeitsabläufe. Dagegen stehen als Einzelmaßnahmen eine Vielzahl kaum abgrenzbarer Höhenarbeiten, die vor allem im Rahmen von Einzelbauwerken anfallen. Bekannte Beispiele für Objekte mit sehr spezifischem Anforderungsprofil an das Industrieklettern sind Brückenbauwerke, wie die bereits erwähnte Golden Gate Bridge, oder sonstige Einzelbauten wie im Deutschen Raum das Münchner Olympiastadion.

Neben den Anforderungen, die Objekt und auszuführende Tätigkeit selbst an die Höhenarbeiten stellen, treten selbst bei standardisierten Arbeitsabläufen bei jedem Einsatz sich ständig verändernde Umgebungsbedingungen als Erschwernis für die Höhenarbeiten auf. Hierzu gehören in erster Linie Wetter- und Windbedingungen, die das Industrieklettern erheblich erschweren können. Weitere Aspekte können aber auch Nebel, bei Tätigkeiten am Wasser Wellengang, sowie im urbanen Umfeld der Umgebungslärm sein. All diese Dinge können im Einzelfall erheblichen Einfluss auf die Standsicherheit der Industriekletterer am Objekt, auf die Orientierung bei den Höhenarbeiten, oder auch auf die Verständigungsmöglichkeiten der Industriekletterer untereinander, haben. Selbst wenn im Rahmen standardisierter Arbeitsabläufe die Industriekletterer heute vermehrt auf sich wiederholende Tätigkeiten an vergleichbaren Objekten treffen, erstrecken sich die räumlichen Tätigkeitsbereiche der Höhenarbeiter meist über sehr große Gebiete. Da sich die einzelnen Höhenarbeiten je nach Tätigkeit in überschaubaren Zeitfenstern abspielen und sich auch bei turnusmäßigen Arbeiten in den seltensten Fällen eine dauerhafte Tätigkeit an einem Objekt ergibt, sind die Höhenarbeiten in dieser Hinsicht stark mit Montagetätigkeiten anderer Berufszweige vergleichbar. Meist treten Industriekletterer als mobile Arbeitsgruppe auf, die zwischen den Einsatzorten pendelt und sich dort nur für die Dauer der Arbeiten vorübergehend niederlässt. Als organisatorische Geschäftsformen der Industriekletterer bieten sich alle Optionen vergleichbarer Berufszweige an. Neben Großbetrieben für Industrieklettern als GmbH, ist ebenso die Organisation als GbR oder selbst auf freiberuflicher Basis möglich. Gerade für einzelne Höhenarbeiter bietet sich die freiberufliche Tätigkeit an, da der Materialaufwand für Seile und sonstige Sicherungsgeräte relativ gering ausfällt. Grenzen für das freiberufliche Industrieklettern setzt letztendlich die praktische Umsetzung der Arbeitsweisen. Durch das Erfordernis mehrerer Höhenarbeiter in einem Team und die nötige Abstimmung untereinander, ist zumindest die zeitweilige Zusammenarbeit mehrerer freiberuflicher Industriekletterer sinnvoll. Die verbreitetste Organisationsform für das Industrieklettern dürfte daher eine feste Stammmannschaft sein, die durch ihre Strukturierung in der Lage ist, gewisse Tätigkeiten eigenständig auszuführen. Denkbar ist zum Beispiel die Verstärkung solcher Teams durch freiberufliche Höhenarbeiter, die je nach Projektumfang oder auf Grund ihrer Spezialisierung auf besondere Arbeiten hinzugezogen werden können.

Vor und Nachteile bieten alle Organisationsformen der Höhenarbeiter. Wo die Zugehörigkeit zu einem größeren Team eine beständigere Tätigkeit, sowie einen sicheren Arbeitsplatz bedeuten kann, schlagen für den freischaffenden Höhenarbeiter alle Vor- und Nachteile anderer Freiberufler zu Buche. Eine größere Flexibilität und oft auch Wahlmöglichkeit in der Arbeitsplatzgestaltung geht mit einer unsichereren Zukunftsplanung und einer geringeren Beständigkeit einher. Vermutlich dürften sich daher feste Anstellungen eher für Industriekletterer mit einem breiten Leistungsspektrum anbieten. Die Freiberuflichkeit dagegen kann für hochspezialisierte Höhenarbeiter mit einem stark nischenbezogenen Tätigkeitsfeld die anzustrebende Organisationsform darstellen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Höhenarbeiten, oder viel mehr die Umsetzung der Seilzugangstechniken, für das Industrieklettern lediglich Mittel zum Zweck ist. Im Mittelpunkt steht nach Erreichen des Einsatzortes mit Seilen und sonstigen Hilfsmitteln jedoch die Ausführung der vom Auftraggeber geplanten Tätigkeit. Somit erscheint es nur nachvollziehbar, dass ein Industriekletterer neben seiner Befähigung in den verschiedenen Seilzugangstechnologien weiterhin über Kenntnisse verfügt, die ihm die Ausführung der am Einsatzort geforderten Leistungen ermöglicht. Hier findet sicherlich die größte Spezialisierung der Industriekletterer statt. So kann ein Team zum Beispiel auf Grund der einzelnen Qualifikationen der Höhenarbeiter besonders für Montagetätigkeiten, oder für Inspektionen geeignet sein. Industrieklettern bietet sich daher auch ideal als Weiterentwicklungsmöglichkeit für Personen an, die bereits über eine relevante Berufserfahrung verfügen. Monteure, Schlosser, Elektriker, Reinigungskräfte - zahlreiche Berufsgruppen können ihre fachlichen Fähigkeiten in Verbindung mit einer Ausbildung zum Höhenarbeiter an schwer zugänglichen und oft auch ungewöhnlichen Orten mit anspruchsvollen Umgebungsbedingungen weiter ausüben.

Voraussetzungen, um Industriekletterer zur werden

Welche Voraussetzungen muss eine Person mitbringen, um für den Beruf der Höhenarbeiten geeignet zu sein? Hier lassen sich persönliche, als auch rechtliche Voraussetzungen zum Industrieklettern definieren. Da es sich beim Industrieklettern trotz aller Sicherheitsvorkehrungen um eine Arbeit mit hohem Gefahrenpotential handelt, sind Besonnenheit und Sicherheitsbewusstsein unerlässlich. Da die Höhenarbeiter in Teams arbeiten und in erheblichem Maße aufeinander angewiesen sind, gehört die Teamfähigkeit ebenso zu den unerlässlichen Grundvoraussetzungen für das Industrieklettern. Draufgängertum und Heldenmut ist dagegen ebenso unerwünscht, wie hinderlich. Auf fachlicher Ebene kann zum Beispiel eine bereits vorhandene Berufsausbildung im handwerklichen Bereich einen Ausschlag für den späteren Einsatz als Industriekletterer geben. Aber auch für Menschen ohne weitere Berufsausbildung bietet der Beruf der Industriekletterer zahlreiche Möglichkeiten. Viele Tätigkeiten können bereits mit technischen Sachverstand und handwerklichem Geschick ausgeübt werden. Darüber hinaus können besondere Einsatzbereiche so spezialisierte Fähigkeiten erfordern, dass diese ohnehin erst in Fachseminaren vorbereitend zum Einsatz als Höhenarbeiter erworben werden können. Aus medizinischer Sicht muss ein Höhenkletterer gesund, sowie belastbar und in der Lage sein, die erforderlichen Tätigkeiten auszuführen. Auch wenn sich die Industriekletterer klar von den Sportkletterern abgrenzen, ist die körperliche Belastung vergleichbar, wenn nicht höher einzustufen. Neben dem Industrieklettern ist schließlich am Einsatzort die erforderliche Arbeit im Seil auszuführen. Als Nachweis der gesundheitlichen Eignung hat sich die Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G41 "Arbeiten mit Absturzgefahr" etabliert.

Ausbildung zum Industriekletterer

Ein anerkannter Beruf ist das Industrieklettern in Deutschland derzeit nicht. Dennoch hat sich im Laufe der Jahre ein dreistufiges Ausbildungsmodell für Höhenarbeiter etabliert, daß von Betrieben und dem Gesetzgeber anerkannt und als geeigneter Nachweis der erforderlichen Befähigungen akzeptiert wird.
Level 1 der Ausbildung zum Höhenarbeiter beinhaltet alle grundlegenden Fähigkeiten und Kenntnisse der vertikalen Standarbeitstechnik in Theorie und Praxis. Hierzu gehören neben den praktischen Techniken am Objekt auch Grundlagen wie Knotenkunde und Materialtechnik, aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Höhenarbeiten. Als Ergänzung zu den eigentlichen Arbeitstechniken sind Rettungsmethoden ein essentieller Bestandteil, da die späteren Einsatzorte für eventuell erforderliche Retter selbstverständlich ebenso schwer erreichbar sind, wie für die Industriekletterer selbst. Die Möglichkeit zur Selbstrettung oder zur Unterstützung in Not geratener Höhenarbeiter nimmt daher einen hohen Stellenwert beim industrieklettern ein.

Level 2 befasst sich entgegen den vertikalen Zugangstechniken des Grundkurses in erster Linie mit horizontalen Zugangstechniken. Diese werden theoretisch erörtert und praktisch erprobt. Weiterhin erfolgt die Kombination von horizontalen und vertikalen Zugangstechniken, sowie eine Vertiefung aller sonstigen Themenbereiche des Grundlehrgangs. Baustellenorganisation und erweiterte Rettungstechniken vervollständigen den Wissenstand der Industriekletterer und versetzen sie in die Lage, alle Techniken am Objekt flexibel und entsprechend den jeweiligen Anforderungen optimal abgestimmt einzusetzen.

Level 3 versetzt erfahrene Industriekletterer in die Lage, als anleitende Aufsichtsperson für Teams für Höhenarbeiten tätig zu sein. Inhalte sind daher neben Baustellenplanung auch die Organisation der Arbeitsabläufe, sowie die Aufstellung von Rettungsplänen vor Aufnahme der Tätigkeiten. Da die TBRS 2121 Teil 3 für jede durch Industriekletterer ausgeführte Arbeit eine geeignete Aufsichtsperson voraussetzt, stellt auch dieser Teil der Ausbildung eine essentielle Voraussetzung für ein funktionierendes Team dar.

Im Rahmen der Ausbildung ist weiterhin ein Erste-Hilfe-Kurs nachzuweisen. Außerdem müssen aktive Höhenarbeiter im Rahmen eines Jährlichen Leistungsnachweises ihre Fähigkeiten in der Umsetzung erforderlicher Rettungsmaßnahmen nachweisen. Andernfalls erfolgt ein Entzug des Zertifikats und somit ein Ende der Tätigkeit.

Industriekletterer an einer Windkraftanlage
Industriekletterer bei Reinigungsarbeiten
Industriekletterer bei einer Tagwerkreinigung

Verdienstmöglichkeiten durch Industrieklettern

Da Industrieklettern eine sehr breite Spanne unterschiedlicher Tätigkeiten umfasst, lässt sich eine Aussage zu den Verdienstmöglichkeiten nur schwer treffen. Insbesondere hoch qualifizierte Tätigkeiten in Nischen dürften eher deutlich über dem mittleren Einkommen liegen, während Standardtätigkeiten ohne zusätzliche Berufsausbildung und mit möglicherweise nur geringem Anspruch an die Höhenarbeiter darunterliegen dürften. Anhängig von der zu Rate gezogenen Quelle liegt der durchschnittliche Verdienst für Höhenarbeiten in Deutschland aber zwischen 2.500,- EUR und 3.000,- EUR.

Einsatzbereiche der Industriekletterer

Die Einsatzmöglichkeiten der Industriekletterer erscheinen gerade wegen der hohen Flexibilität beinahe grenzenlos. Dennoch haben sich mit den Bereichen Reinigung, Montage bzw. Wartung und Inspektion und Begutachtung drei Haupttätigkeitsfelder etabliert, in denen die Höhenarbeiter oft sogar als erstes Mittel der Wahl anzutreffen sind.

Industrieklettern und Reinigung

Höhenarbeiter erbringen verschiedenste Reinigungsarbeiten, unabhängig von Zugänglichkeit, Art und Komplexität der Tätigkeit. Der Fokus, warum die Reinigung durch Höhenarbeiter ausgeführt wird, kann dabei völlig unterschiedlich gesetzt sein. Gebäude, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, sollen möglichst ohne langwierige optische Beeinträchtigung des Gebäudes durch Gerüste oder Fassadenaufzüge gereinigt werden. Man stehe sich zum Beispiel die bekannten historischen Kirchenbauten wie Ulmer Münster, Kölner Dom oder auch die Sagrada Familia in Barcelona wegen aufwändiger Reinigungsarbeiten an den Steinfassaden dauerhaft eingerüstet vor. Weiterhin können je nach Konstruktionsart andere Arbeitsweisen sogar völlig ausscheiden, so dass die Reinigung ausschließlich durch Höhenarbeiter möglich ist. Ein Paradebeispiel hierfür stellen die geschwungenen Dächer des Münchner Olympiaparks dar. Weitere Reinigungsdienstleistungen, die meist nur durch Industrieklettern möglich sind, stellt die Reinigung industrieller Anlagen dar. Ob Tankinnenreinigung oder technische Reinigung industrieller Großbauten - die Höhenarbeiter erreichen auch die Orte, wo Gerüste keinen Platz finden und Hubsteiger ihre Grenzen erfahren.

Höhenarbeiten zur Montage

Die Industriekletterer bewältigen von der Komplettmontage ganzer Windkraftanlagen bis zur Ergänzung von Kleinbauteilen an bestehenden Objekten die ganze Bandbreite der Montagetätigkeiten in Höhen und Tiefen. Je nach Art der Tätigkeit können Arbeiten komplett eigenständig ausgeführt werden, oder es erfolgt die Kooperation mit anderen Sondergewerken zur Erfüllung der gestellten Aufgabe. Gerade der Bereich der erneuerbaren Energien stellt einen Wachstumssektor der Höhenarbeit dar, da hier nicht nur regelmäßig Neuanlagen montiert werden sollen, sondern auch die bestehenden Anlagen beständig auf den neusten Stand der Technik aufgerüstet werden.

Wartung durch Industriekletterer

Als Sonderfall im Portfolio der durch Höhenarbeiten zu erbringenden Montageleistungen stellt die Wartung eine der wenigen Tätigkeiten dar, die tatsächlich regelmäßig am selben Objekt erbracht wird. Die Industriekletterei ermöglicht, Wartungsarbeiten schnell und einfach auch an kaum zugänglichen Bauteilen auszuführen. Die Anwendung der Seiltechniken ohne aufwändige Großtechnik erlaubt einen flexiblen Zugang und eine Umsetzung der Wartungsarbeiten nach tatsächlichen Anforderungen am Objekt. Da die vorbereitenden Arbeiten gering sind, kann die Industriekletterei schnell auf sich ändernde Voraussetzungen reagieren und Wartungsintervalle reduzieren oder verlängern, ohne in komplexe Aufbaupläne für Zugangsgerüste etc. eingreifen zu müssen.

Inspektion und Begutachtung durch Kletterer

Häufig steht vor der Umsetzung von Arbeiten an einem Bauwerk zunächst die Inspektion. Insbesondere statisch stark beanspruchte Bauwerke müssen regelmäßig auf Risse, Schwachstellen und sonstige Ermüdungen kontrolliert werden. Art und Umfang der Begutachtung kann uneingeschränkt an die Wünsche des Auftraggebers angepasst werden. Eine rein optische Inspektion von Betonbauteilen auf Risse und Abplatzungen ist ebenso möglich wie die Ermittlung der Schichtdicke von Korrosionsschutzanstrichen, oder die Kontrolle von Bauteilverbindungen wie Nieten, Verschraubungen oder Schweißpunkten. Bauwerke wie die weltbekannte Golden Gate Bridge oder der Pariser Eiffel Turm wären ohne die Höhenarbeiter nur mit erheblichem Mehraufwand zu kontrollieren und zu unterhalten.

Herstellung von Sicherheitseinrichtungen für Höhenarbeiten

Überall da, wo Arbeiten an Bauwerken relativ einfach möglich und in sehr hoher Taktfrequenz erforderlich sind, muss die Umsetzung nicht dauerhaft durch industrieklettern erfolgen. Die Höhenarbeiter errichten Schutz- und Zugangssysteme, die dann von anderen Arbeitskräften nach entsprechender Unterweisung eigenständig genutzt werden können. So tragen die Industriekletterer nochmals dazu bei, den Aufwand am Gebäude oder an der Industrieanlage zu reduzieren und dem Betreiber ein eigenständiges Arbeiten an seinem Objekt zu ermöglichen. Zur Gewährleistung der dauerhaften Betriebssicherheit dieser Sicherungseinrichtungen begehen und Warten die Höhenarbeiter auch diese von ihnen selbst eingerichteten Systeme regelmäßig. So wird sichergestellt, dass die Fremdnutzer auf Dauer gefahrlos tätig sein können.

Arbeitsweise der Industriekletterer

Auch wenn die Arbeitsweise der Industriekletterer auf die jeweilige Umgebung angepasst wird, bestehen doch grundsätzliche Arbeits- und Verhaltensweisen, die immer zur Anwendung kommen und die richtig angewendet, das größtmögliche Maß an Sicherheit bei Höhenarbeiten gewährleisten. Vor allen anderen Techniken, die in der Ausbildung zum Höhenarbeiter erlernt werden, stehen zwei Grundsätze: Industrieklettern wird niemals alleine durchgeführt. Die Höhenarbeiter sind immer in Teams unterwegs, so dass die einzelnen Arbeiter sich gegenseitig sichern können und im Notfall für schnelle Hilfe gesorgt ist. Weiterhin liegt allen Tätigkeiten am Objekt die so genannte redundante Seilführung zu Grunde. Das bedeutet, dass je Höhenarbeiter immer zwei Seilte zur Anwendung kommen. Ein Seil trägt den Industriekletterer und ermöglicht ihm die Positionierung an seiner Arbeitsstelle. Ein zweites Seil dient als reines Sicherheitsseil, das im Falle des Versagens des ersten Seils uneingeschränkt dessen Funktion übernimmt. So wird trotz erheblicher Gefahrenstellen an den zu begehenden Bauwerken sichergestellt, dass die Höhenarbeiter auch dann noch sicher absteigen können, wenn das erste Seil beschädigt wird oder nach einer Beschädigung sogar komplett reißen sollte.

Vorschriften für Höhenarbeiten

Wie alle anderen Arbeitsbereiche wird auch die Arbeit der Industriekletterer heute von einer Vielzahl an Vorschriften geregelt. Diese lassen sich auf drei unterschiedliche Regelungsebenen aufteilen: Zum einen bestehen vom Gesetzgeber vorgegebene Regelungen, in erster Linie die Normen. Wichtigste Normen für die Höhenarbeiter sind die ISO22159 "Descending Devices" und die ISO22846 "Rope Access Systems". Weiterhin bestehen Regelungswerke der Berufsgenossenschaft und der Unfallversicherer für das Industrieklettern. Hier steht an erster Stelle die eingangs erwähnte TBRS2121 Teil 3, sowie verschiedene DGUV zur Arbeitssicherheit. Als dritte Regelungsebene bestehen Vorschriften der FISAT, die als Fach- und Interessenverband der Höhenarbeiter Vorgaben zum industrieklettern, sowie zur Ausbildung, macht. Diese Regelwerke haben zwar keinen Norm-Charakter, sind aber für alle Mitglieder des Verbands bindend.

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